02 November 2013

Aneinander vorbei [Kurzgeschichte] - Achtung: sehr Kitschig!

"Oh, wie cool!" Begeistert trat ich einen Schritt auf sein Bücherregal zu, welches über seinem Schreibtisch hing.
"Darf ich?", fragte ich und er nickte, während er sich auf seine Couch sinken ließ. Ich studierte die Titel und Autoren auf den Buchrücken und zog schließlich eines heraus. "Okay, wie fandest du das hier?"
Er lächelte. "Tut mir leid, aber da muss ich dich enttäuschen. Ich habe es noch nicht gelesen."
Ich zog einen Schmollmund und stellte es zurück. Eine Weile sagte keiner von uns ein Wort. Ich fuhr mit den Fingerspitzen die Reihe von Büchern entlang, wobei ich mich aber nicht auf ihre Namen konzentrieren konnte. Ich zermarterte mir den Kopf, was ich sagen könnte. Die Stille machte mich ganz verrückt.
Schließlich öffnete ich den Mund um einfach mit dem erstbesten herauszuplatzen, so wie ich es immer machte. Meistens redete ich in solchen Situationen allerdings nur Mist und wünschte mir dann immer später, ich hätte doch lieber die Stille ertragen. Doch noch bevor ich irgendetwas sagen konnte, ergriff er das Wort.
"Es gibt eine Frage, die mir schon die ganze Zeit unter den Nägeln brennt."
Ich drehte mich zu ihm um und lehnte mich gegen die Kante seines Schreibtisches, wobei ich die Hände auf diesem abstützte.
"Nur zu" ermutigte ich ihn. "Ich verspreche, dass ich ehrlich antworten werde", fügte ich noch grinsend hinzu.
Er zögerte ein bisschen, setzte aber dann schließlich leise zu seiner Frage an: "Ich frage mich, was du eigentlich in mir siehst."
Mit einem Schlag war mein Kopf wie leer gefegt. Ich war so überrascht, dass ich erst einige Sekunden später die Verwirrung abschütteln konnte.
"Was ich in dir sehe" wiederholte ich "ist..." Ich hielt kurz inne, weil mir einfach nichts einfiel, was ich hätte sagen können. "Ich sehe einen wunderbaren Menschen, der selbstsicher und lebensfroh jede Hürde meistert, die das Schicksal ihm in den Weg legt. Ich sehe einen humorvollen, sympathischen und lebendigen jungen Mann". Ich räusperte mich. "Wieso fragst du das?"
Meine Finger umklammerten die Tischkante. Seine Stimme hatte so ernst geklungen und ich war unfähig seinen Gesichtsausdruck zu deuten.
Schließlich lächelte er. "Danke. Ich nehme mal an, das kann ich als Kompliment auffassen. Aber das meinte ich eigentlich nicht",
"Was denn dann?", fragte ich. "Wie wichtig ich dir bin. Ob wir vielleicht befreundet sind".
"Natürlich sind wir Freunde! Also zumindest dachte ich das eigentlich schon. Ich meine, wir schreiben und treffen uns manchmal. Und natürlich bist du mir wichtig. Alle meine Freunde sind mir wichtig!" ratterte ich hektisch herunter. Wieso fragte er mich so etwas? Wollte er mich umbringen? Einen Herzinfarkt provozieren? Seine Fragen brachten mich so dermaßen aus dem Konzept. Oder meinte er vielleicht, dass wir keine Freunde waren? War er womöglich genervt von mir? Mein Kopf schwirrte.
"Weil..." er verzog unwillig das Gesicht "...weil ich dich mag. Und weil ich es einfach wissen wollte. Weißt du, dass du einen ganz schön verwirren kannst?". Ungläubig riss ich die Augen auf. "Ich verwirre dich?!". perplex konnte ich nur den Kopf schütteln.
Er nickte. "Ja. Denn im einen Moment denke ich, du magst mich auch, und im nächsten komme ich mir so unheimlich dumm vor, weil ich das Gefühl habe du hältst mich für den letzten Volltrottel."
Verständnislos starrte ich ihn an und unterbrach ihn schließlich, als er zum Fortfahren ansetzte.
"Hörst du es denn nicht?". Meine Stimme klang seltsam fremd. So weit weg.
Nach einer Pause fragte er: "Wie? Was meinst du?"
"Kannst du denn nicht hören, wie mein Herz rast?". Ich schloss die Augen. "Wegen dir. Es klopft so laut, dass es mir in den Ohren dröhnt. Und das nur wegen dir. Und jedes Mal frage ich mich, warum du es nicht auch hörst." Ich getraute mich nicht ihn anzusehen, also senkte ich den Blick und ließ mir die Haare vor das Gesicht fallen. "Kennst du das, wenn du plötzlich das unbändige Verlangen spürst zu rennen? Denn dein Herz schlägt so schnell und es fühlt sich so an, als wären deine Füße viel zu langsam für es. So fühle ich mich oft, wenn ich mit dir zusammen bin. Glücklich, weißt du? Und jetzt sagst du, ich würde dich verwirren. Dass du dir neben mir so seltsam vor kämst. Ich versteh das nicht - wie das sein kann" zittrig holte ich Luft. Die noch ungesagten Worte, die versuchten sich nach draußen zu kämpfen, lagen mir schwer im Magen. Eigentlich hatte ich schon jetzt zu viel gesagt. Plötzlich schoben sich zwei Schuhspitzen in mein Sichtfeld und ich spürte, dass er vor mich getreten war. Mit einem Ruck hob ich den Kopf, der Tisch in meinem Rücken wackelte und irgendwas fiel polternd um. Ich riss also den Blick von seiner Brust los und wollte meinen Kopf wegdrehen, um mir anzusehen, was ich nun schon wieder umgeschmissen hatte. "Oh. Das tut mir..." ich stockte mitten im Satz und in der Bewegung, als ich eine Berührung an meiner Hand bemerkte. Ich hob den Blick und wollte zu ihm aufschauen, doch irgendwie konnte ich das nicht. Also schaute ich einfach wieder auf meine Füße. Mein Blick wanderte dennoch schließlich zu meiner Seite. Meine vorher aufgestützten Arme hingen nun nutzlos neben meinem Körper. Doch seine Fingerspitzen berührten ganz leicht die meinen von einer meiner Hände. Ich begann tatsächlich zu zittern, fast unmerklich. Ich fühlte mich, als würde ich jeden Moment durchdrehen. Und ich sage euch, dieses Gefühl macht einen ganz verrückt im Kopf.
Im Zeitlupentempo schob er seine Finger zwischen meine, umfasste meine Hand und drückte sie. Jetzt kam noch Atemnot dazu. Ganz Klasse.
"Ja? Wolltest du noch etwas sagen?", flüsterte er. Er schob eine Hand in meinen Nacken und gedanklich fügte ich noch Herzrhythmusstörungen zu meiner Liste hinzu.
"Du liegst richtig" presste ich hervor. "Ja, ich mag dich. Allerdings hast du gar keinen Grund dir neben mir dumm vor zu kommen. Das ist... eigentlich mein Part. Aaron, ich bin verliebt in dich. Verstehst du?".
In diesem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher, als das ich mich unsichtbar machen könnte. Seinen Blick auf mir zu spüren machte mich nicht nervös, Nein. Ich wurde richtiggehend panisch.
Seine Hand wanderte weiter nach vorne, umfasst sanft meinen Hals, sein Daumen lag unter meinem Kinn, mit dem er dieses anhob. Fest kniff ich die Augen zusammen. "Was... tust du denn da?" murmelte ich, immer noch zitternd. Sein Atem strich über meine Wange und er lehnte seine Stirn gegen meine, wobei er meine Hand noch fester umfasste. "Bitte sieh mich an."
Ich spürte Tränen aufsteigen. "Nein!"
"Ich bitte dich, June". Also öffnete ich die Augen. Er war ganz nah. Ich nahm nichts anderes war, da waren nur seine Augen, groß und dunkel. Sie blickten direkt in meine. Und zum ersten Mal konnte ich wirklich und ganz genau seine Augen betrachten. Ich konnte sehen, dass sie nicht einfach nur Braun waren, sondern von vielen dunkleren und helleren Linien durchzogen.
Ich kann euch nicht sagen, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Denn sein Blick war so intensiv, dass ich an nichts anderes denken konnte.
Oder in dem Augenblick, als seine Lippen ganz, ganz leicht meine Berührten und sich schließlich fest auf sie pressten. Denn in diesen köstlichen Minuten der ganz anderen Stille, war es, als erfüllte nur eine Melodie meinen Kopf.
Eine so bezaubernde Melodie, dass ich die Augen schließen musste und mir sogar Tränen über die Wangen liefen, so sehr überwältigte mich ihre Schönheit.
Eine Melodie, die so zart war, dass sie viel zu zerbrechlich wirkte und ich Angst hatte sie zu zerstören.
Die sich anfühlte, als wäre sie genau das, wonach ich immer gesucht hatte.

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Hallo ihr Lieben!
Ich hatte heute Abend einfach noch mal Lust eine Kurzgeschichte zu schreiben. Vielleicht gefällt sie euch ja. Auch wenn sie etwas kitschig ist...^^ Aber manchmal muss ein bisschen Kitsch eben sein!
Über eure Meinung würde ich mich sehr freuen!

Alles Liebe,
Natalie

Kommentare:

  1. Ich gestehe an dieser Stelle, dass ich die Kurzgeschichte hier nach erst gelesen habe, aber ...
    Ich finde, du hast Talent zum Schreiben. Und ich mag den feinen Sarkasmus in deinen Sätzen.

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    1. Danke sehr, sowas hört man natürlich gern^^ Ich versuche mein Bestes akzeptable Texte hinzubekommen ;)
      Und Sarkasmus darf in denen natürlich nicht fehlen! Nie! Dazu liebe ich den Sarkasmus viel zu sehr :3 ;D

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    2. Ich liebe Sarkasmus auch! <3 Und in Geschichten/ Bücher sowieso. :)

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    3. Wie langweilig wäre das Leben ohne ihn..

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    4. Und so traurig ernst ....

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Huhu lieber Blogbesucher und potenzieller Kommentarschreiber (:
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Ich freue mich über Feedback aller Art, also nur her damit ;)

Ich wünsche dir noch einen zauberhaften Tag, eine traumhafte Woche und mögen alle deine Wünsch in Erfüllung gehen!
Natalie ♥