18 Januar 2014

Sonnenuntergang

Über den Dächern spannen sich die Wolken über den Himmel wie ein verblichenes Laken. Es ist nicht schmutzig grau, wie sonst immer, sondern blütenweiß im schimmernden Blau und erinnert mich an den Bach, direkt hinter unserem Haus, der sich durch unser Dorf schlängelt. Wie Dezemberwasser strömt das Tageslicht über unseren Köpfen hinweg. Wenn es eisig kalt ist und der Bach beinahe zufriert, die Strömung allerdings zu stark ist, als dass das Eis ihr stand halten könnte, ragen aus dem Ufer zu beiden Seiten des Bachs spitze, gefrorene Dolche ins Wasser. Doch sie können ihm nichts anhaben. Mühelos fließt es über sie hinweg, tanzt auf der sich spiegelnden Klinge und streicht mit sanften Druck mit seinen Fingerspitzen über die Schneide, ohne sich zu verletzen. Ein Kunststück.
Der Himmel sieht genau so aus, am Horizont leicht lila gefärbt, aus dem sich dunkle Flecke lösen, die einzeln im Bachbett treiben. Doch durch eines unterscheiden sie sich doch: während das Wasser des Bachs die Dolche irgendwann brechen wird und mit sich fortragen, kann der Himmel ihnen nicht ewig standhalten. Wenn die Sonne von meiner Linken zu meiner Rechten gewandert ist, werden die Fingerkuppen der Wolken langsam Risse aufweisen. Hellrote Striemen rinnen dann ihre Handgelenke hinab, tränken das Laken und der Himmel wird Feuer fangen. Und während er brennt und glüht und sich das Rot ausbreitet, werden die Wunden sich öffnen.
Und der Himmel wird bluten.

Kommentare:

  1. Doch die Wunden werden wieder heilen. Die Nacht wird ihr schwarzes Leichentuch über die decken, sie werden wieder aufbrechen, bevor das Rot endgültig versiegt und schimmerndem Blau Platz macht. Ein ewiger Kreislauf.


    Schön geschrieben!
    Dana :*

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