01 Februar 2014

No Name

Ich hob die Arme über den Kopf und meine Füße glitten über das Parkett. Aus den Lautsprechern drang nun ein lauter Paukenschlag und davon gehetzt wurde die Musik immer schneller. In der Drehung erhaschte ich nur ganz kurz einen Blick in den Spiegel, dann verbogen sich meine Gliedmaßen automatisch zum nächsten Schritt. Ich war so leicht und unwillkürlich musste ich lachen. Ich streckte die Knie durch und stieß mich von Boden ab, flog durch den Tanzsaal. Ich war erfasst und gefangen in den Tönen. Sanft landete ich wieder auf meinen Füßen, jeder Schritt verfloss mit dem vorigen, wurde zu einer Bewegung. Als ich ein plötzliches „Wow“ vernahm, strauchelte ich und fiel fast hin. Die Musik schmiegte sich nicht mehr auf magische Weise an jeden meiner Schritte, sondern tönte nur noch blechern. Ich fuhr herum. 
Da stand Juli und starrte mich an. Ich haute auf den Pause Knopf der Anlage und drehte mich dann wieder schwer atmend zu ihm. „Bist du wahnsinnig? Erschreck mich doch nicht so!“ Ich stützte die Hände in die Hüften. „Was machst du hier überhaupt? Es sind doch gar keine Kurse mehr. Die Türen sind alle abgeriegelt. Wie bist du hier herein gekommen?“ Ich war maßlos verwirrt. Dieser Typ tauchte aus heiterem Himmel immer und über all auf. Richtiggehend gruselig war das „Stalkst du mich?“ Da begann Juli zu lachen. Er hob abwehrend die Hand und fuhr sich damit dann durchs Haar. „Um Gottes Willen, Nein! Allerdings stimmt es schon, dass ich dich gesucht habe. Du warst heute nicht im Coffeeshop. Ich hab mir Sorgen gemacht und mich ein bisschen umgehört. Samantha kam vorbei und ich hab sie nach deiner Adresse gefragt. Sie meinte nur, dass du hier bist und war dann schon wieder verschwunden. Aufgemacht hat mir eine Leila. Sie ist eben gegangen“ Sam! Der würde ich was husten, wenn ich heute Abend nach Hause kam! „Du hast mich gefunden“, schnaubte ich, wütend auf Sam und Leila, wandte mich von ihm ab und trank ein paar Schlucke aus meiner Wasserflasche. „Ich habe dich gefunden“, stimmte er noch einmal zu, schälte sich aus seiner Jacke, warf sie in eine Ecke und kickte sich dann die Schuhe von den Füßen. „Hey, sag mal, was machst du da?!“, rief ich aufgebracht und schmiss mein Wasser wieder in die Tasche. Er zog sich noch seinen Pullover über den Kopf und trat dann barfuß einen Schritt auf mich zu. „Tanz mit mir“, er streckte mir eine Hand entgegen, die ich nur fassungslos anstarrte. „Was?!“, „Du hast mich schon verstanden. Als ich eben in den Raum kam und anklopfte, hast du mich gar nicht gehört. Du warst völlig versunken. Und, Sue, du bist verdammt gut. Ich wusste gar nicht, dass du tanzt“, immer noch starrte ich ihn an. Immer noch ignorierte ich seine Hand. „Jetzt weißt du’s. Und am besten gehst du jetzt auch wieder“, stieß ich hervor. 

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